Vorwort
Dieser Rückblick entstand ganz spontan an einem Abend. Er ist nicht annähernd vollständig, aber spiegelt meine wichtigsten Gedanken über das LARP-Jahr wieder.
Warum es „Panis“ Rückblick heißt? „Pani“ ist das polnische Wort für Herrin und als Baroness werde ich von den Karkasen zumeist so angesprochen. Auch im Alltag hat sich bei den Soldaten eingebürgert, mich so zu nennen: „Pani regelt das schon.“ oder „Beste Pani der Welt!“. So gesehen ist dies der erste Spitzname den ich jemals hatte. Das zeigt mir, dass ich in all den Unsicherheiten dieser Welt zumindest in einer Hinsicht meine Bestimmung gefunden habe. Danke liebe Karkasen! 💚
Einleitung
Das Jahr 2025 geht langsam zur Neige und am 18.12. kehrte ich mit zwei nicht-LARPenden Freunden im Schlachthof Wiesbaden beim „Rauhnächte 2025“ Konzert von In Extremo, mit der Vorband Dominum, ein. Während ich so vielen schönen und auch teilweise unbekannten Liedern horchte, ließ ich noch einmal mein (LARP-)Jahr Revue passieren.
Der „Hound“
Kennt ihr das auch? Wenn ihr Leute seht, und sofort die perfekte (stereotypische) LARP-Rolle für sie im Kopf habt? Direkt beim Ankommen im Hauptraum fiel mir auf, dass der Metaller in Kutte hinter uns dem „Hound“ – Sandor Clegane aus der Game of Thrones Serie verblüffend ähnlich sah. Dass er wenig lachte und recht grießgrämig drein schaute, tat sein übriges 😅
Dominum – Danger Danger
Die ersten Töne von Dominum erklangen.
In Gefahr waren wir recht oft gekommen, wie es sich für ein aufregendes LARP-Jahr auch gehört 😉 . Seien es die Echsenmenschen auf der Grünen Insel im April, die Totlosen von Moringaard oder die anderen Lager auf dem Drachenfest – wir trotzten ihnen allen. Vergessen werde ich nie, als Lazara, die Anführerin im Oktober-Moringaard an unserer Banketttafel saß. Ich habe selten so viel unangenehme Stille und Angst von so vielen sonst so lauten und meinungsstarken Menschen vernommen.
Dominum – The Dead Don’t Die
Natürlich bleibt es nicht aus, ein paar Worte mehr über die tollen Totlosen-NSCs aus Moringaard zu verlieren. Da wir mittlerweile drei Mal dort waren (dieses Jahr zwei Mal und letztes Jahr einmal), konnten wir eine gewisse Entwicklung in den Reihen der Totlosen miterleben. Sie haben wunderschön ausgearbeitete Hintergrundgeschichten, verschiedene Gruppierungen, Ziele und auch interne Kämpfe. Es ist einfach wunderbar anzusehen, wie jede Con dort mehr passiert: Es mehr Spieler werden und auch jede Gruppierung mehr Charakter, schönere Gewandungen und einfach mehr „Lametta“ und Tiefe bekommt.
Dominum – We are Forlorn
Wirklich verloren hab ich mich nur an einer Stelle gefühlt. Als die Orks uns auf Moringaard überfallen haben und ich wirklich dachte „Das war’s jetzt“. Zum Glück kamen zufällig die Truppen der Faust Myrias und Gloria dazu um uns zu retten. Wenn sie sich auch Zeit ließen, da man weder die karkasischen Soldaten noch mich erkannte. Danke an den Windstedter Holzfäller, dessen Ausruf man bis zu mir hören konnte: „Ist das nicht die Baroness von Karkas?“ 😄
Der Waffenmeister
In der Umbaupause für In Extremo bemerkte ich einen weiteren potenziellen LARP-Charakter. Vor mir stand ein Wandschrank von älterer Mann. Perfekter Waffenmeister oder pensionierter Soldat… Im späteren Verlauf des Konzerts zeigte dieser auch recht wenige Gefühlsregungen und bestätigte mein Bild von ihm^^
In Extremo – Game Of Thrones Theme
Sie eröffneten das Konzert mit einer eigenen Interpretation des Game of Thrones Themas mit Dudelsäcken und Marktpfeifen.
Wenn wir was hatten dieses Jahr, dann viel Adelsspiel. Die Baroness habe ich ja das erste Mal im April auf der Grünen Insel beim Zeit der Abenteuer gespielt. Ich hatte extrem viel Angst, ob ich dieser Rolle gewachsen bin, habe aber konsequent immer Feedback eingeholt und an Problemen gearbeitet. Ich bin weit weg von Perfektion, aber es geht voran^^. Natürlich ist all das nur durch alle Karkasen möglich, die mich auch immer wieder bestätigt und hochgespielt haben 💚 Und natürlich alle anderen LARPer, die mich angenommen haben als Adelige, vor mir gebuckelt und mich mit Respekt behandelt haben. Danke euch!
Niemals vergessen werde ich das Famous Pfannkuchen-Attentat auf dem Drachenfest dieses Jahr, welches fast in einem diplomatischen Eklat gemündet hat. Leute habt ihr mich gestresst! 🤣
Weckt die Toten
„Weckt die Toten, die Verrückten sind in der Stadt…Wir tanzen auf den Gräbern, trotzen unserem Untergang, denn zum Sterben ist die Welt zu schön!“
Da musste ich an all uns verrückte Nudeln von Karkasen denken, aber auch den LARPer allgemein. Erst heute hatten wir es, dass man vielleicht über bestimmte Dinge nicht in der Öffentlichkeit reden sollte. So Sätze wie „Da haben wir den zusammengeschlagen und dann ausbluten lassen.“ könnten schnell von Außenstehenden falsch verstanden werden.
Das zeigt uns aber nur immer wieder, wie verrückt und, für die Allgemeinheit, weltfremd unser Hobby ist. Viele Leute haben keinerlei Verständnis, für das, was wir als „Normalität“ empfinden.. Während Computerspiele mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, hat LARP noch einen langen Weg zu gehen.
Der Gelehrte
Im weiteren Verlauf des Konzerts fiel mir ein mittelalter (*höhö*) Mann neben uns auf. Pferdeschwanz, die Arme immer verschränkt, mit einer Hand, die das Kinn stützt. Ab und an sieht man ihn die Lippen bewegen und ein kleines Lächeln hebt die Mundwinkel. Ganz konzentriert, als wenn er keinen Moment verpassen will. Der perfekte Gelehrte! Ich seh ihn schon im Grauen Lager in der Bibliothek 🦉💚
Feuertaufe
„Das Ziel liegt auf der Hand, bis ans Ende dieser Welt. Mit dem Kopf durch jede Wand, in den Abgrund wie ein Held.“
Bei diesem Lied musste ich an die dicken Freundschaften und/oder Bromances (Ullec & Reingardt – looking at you!) bei uns Karkasen denken. Ich glaube LARP schweißt als Gruppe noch viel mehr zusammen, als irgendein Workshop für Team-Zusammenhalt es je könnte. Jeder, aber auch wirklich jeder, hat auf Con zusammengehalten und sich unterstützt und geholfen. Auch wenn es mal Reibereien gab, haben wir wieder zusammengefunden und sind daran als Gruppe gewachsen. Ich würde den meisten Karkasen auch in der wahren Welt mein Leben und meine Sicherheit anvertrauen. Besonders hervorheben möchte ich unsere Köchin Raya und Korporal Ullec, die mich in der Orga-Arbeit seit Sommer unterstützen. Danke euch für die tolle Teamarbeit!
Troja
„Komm steig mit ein, wir sind das Gift im Wein. Unser Wille hart wie Stein, treten Euch die Türen ein! Komm steig mit auf, Schläge nehm wir in Kauf. Mit uns geht die Sonne auf, rollen die Stadt von innen auf. Bis Troja brennt!“
Natürlich musste ich hier an die Außenwirkung von Karkas denken. Ich liebe es, wie plump und direkt die Soldaten und Rekruten unsere Werte nach außen vermitteln. Wie oft ich schon betretene Gesichter gesehen hab, wenn wir von unserem Diktaturstaat erzählen, der größtenteils Soldaten und Waffen „exportiert“ 😅
In diesem Jahr haben wir einige neue Mitglieder bekommen. Teils neue Karkasen, teils alte Charaktere, die als Söldner ins Boot geholt werden. Ich kann immer noch nicht glauben, was für tolle neue Menschen da jetzt bei uns sind 💚
Auch finde ich es extrem belustigend, wie sehr alle auf Prügelstrafen stehen. Die Anzahl dieser muss ich dementsprechend stark erhöhen. Wenn dadurch alle glücklicher sind, mache ich das natürlich gerne! 🤣
Wolkenschieber
„Ich hab nach sinnenschweren Stunden nun endlich einen Trank gefunden. Der schiebt die Wolken von der Stirn
stärkt Rücken, Magen und Gehirn…Komm, trink ein Glas vom Wolkenschieber! Harter Tobak, doch nichts ist mir lieber
Vertreibt den Unmut und die Sorgen. Wer kann mir noch ein Glas besorgen?“
Ich glaube für jeden Menschen, der es einmal erlebt hat, ist der Wolkenschieber kein alkoholisches Getränk, sondern eine LARP-Veranstaltung. Egal was für Müll im realen Leben so abgeht, LARP gibt dir Abstand von dir selbst, Urlaub von allen Problemen. Gerade am Anfang des Jahres hab ich ein großes Tief gehabt, bei dem mir LARP, neben meinem lieben Mann und unserem Asmeth-Priester Nikolai, eine wichtige Stütze war. Ich weiß nicht, was ich damals ohne LARP, ohne Karkas, getan hätte.
Der Elf
Neben uns öffnete sich ein Moshpit. Und wen erblicke ich da? Einen schlanken jungen Mann, filigrane Gesichtszüge, lange braune offene Haare. Der perfekte Elf. Obwohl, nicht ganz. Er trug eine zu große Metal-Kutte. Und wurde von den anderen Teilnehmern hin- und hergeworfen. Also eher der perfekte Metal-Elf 😅
Ave Maria
Bei diesem, wie eine Predigt anmutenden Text, musste ich natürlich sofort an die Faust Myrias denken, welche sehr striktes und schönes Religionsspiel betreiben. Sie reden oft und viel über ihre Götter und beten gemeinsam vor großen Kämpfen, allen voran der Herr Kaplan Leonard von Weidentrift. Auch in diesem Jahr nahm ich an beiden Endgottesdiensten teil, die für mich ein perfekter Abschluss für jedes Moringaard sind. Danke dafür! Es ist immer wieder toll, mit euch gemeinsam eure Gebete zu sprechen 💚
Ich freue mich außerdem, auf den Plot, der sich da mit dem Freiherrn Jagar von Stahleck anbahnt…Seid gespannt! 😉
Blutmond
„Wenn der Blutmond scheint, wenn der Himmel weint.
Doch schließt sich eine Tür, steht jemand hinter dir.“
Hier musste ich ganz klar an unsere neue Gruppensituation denken. Im Oktober entschied sich Graf Morak die Gruppe vollends zu verlassen und LARP komplett an den Nagel zu hängen. Der Blutmond ist hier das Zeichen des Neuanfangs und ich sehe den Verlust unserer Lore-Orga mit einem weinenden und einem lachenden Augen. Auch wenn mit dem Grafen ein wichtiger und großer Teil der Geschichte Karkas verloren geht, werden wir dieses Erbe mit vereinter Kraft in Ehre halten, weiterführen und ausbauen. Auf das Karkas wieder erblüht und noch größer und besser wird, als je zuvor 💪! (Sidenote: Dieses Emoji ist dieses Jahr sicherlich eines meiner häufig genutzten!)
Feine Seele
Bei diesem Lied gingen meine Gedanken raus an die gute Emma Septimus. Ihr (OT-)Tod im August diesen Jahres riss ein großes Loch in die Drachenfest-Community und obwohl ich persönlich nicht viel mit ihr zu tun hatte, hat mich ihr Tod tief berührt, da ich immer das Gefühl hatte, viel mit ihr gemeinsam zu haben. Ihre immer fordernde, nach vorne gerichtete und freundliche Art wird allen fehlen.
Ebenfalls musste ich an unseren guten Soldaten Brunon denken, der sich zur Rettung der Bastion in Moringaard in den (IT-)Freitod begeben hat. Er wurde heilig gesprochen und wird für immer auf unserem Heiligenbanner an der Palisade verewigt sein. Danke für dein Opfer und für den Ruhm und das Ansehen, was du uns in Moringaard gebracht hast.
Störtebeker
Bei diesem Lied musste ich direkt an das Fuchsbau-Picknick auf dem Drachenfest denken, bei dem ein recht großer Teil Blau-Lageristen waren.
Was ist der Fuchsbau? Das ist der Discord des LARP-Podcasts „Mal kurz OT“ den ich nicht müde werde, zu empfehlen. Neben dem genialen Podcast für Einsteiger und alte Hasen hat sich auf ihrem Discord eine sehr inklusive, freundliche und unterstützende Community gebildet. Egal ob LARP-Bastel-Hilfe oder einfach ein Ohr zum Ausheulen, der Fuchsbau ist für dich da.
Und diese Community hat sich mit dem Feuerfuchs, einem der beiden Sprecher des Podcasts und Namensgeber des Discords, auf der Schlachtwiese am Donnerstagnachmittag getroffen. Es war ein schöner Moment, endlich mal die Gesichter zu den vielen lieben Nachrichten und Namen zu treffen. Auch sind ein größerer Teil der Moringaard-Totlosen im Fuchsbau. Somit habe ich mich gefreut, auch den ein oder anderen dort treffen zu können.
Ich bin wirklich super glücklich, all diese tollen Menschen dieses Jahr gefunden zu haben 💚
Die Magierin
In der Ferne wurde der Metal-Elf wieder im Moshpit umhergeworden, aber links neben uns war eine vielleicht 50-jährige Dame (spätmittelalt?^^) wild am tanzen und mitgröhlen. Bunte Kurzhaarfrisur, schlanke Figur. Aber gab mir so nen Yennefer-Aus-Der-Witcher-Serie-Aber-In-Älter-Vibe. Fehlt nur der Magierstab und die lange Robe!
Frei Zu Sein
„Frei zu sein bedarf es wenig. Nur wer frei ist, ist ein König. Schamlos nimmt der dreiste Dieb, denn er ist seines Glückes Schmied.“
Dieses Lied brachte mich zum Nachdenken, was Freiheit, gerade in LARP-Settings eigentlich bedeutet. Obwohl meine Baroness eine Adelige ist, hat auch sie nicht vollkommen freie Hand.
Paladine, als Ritter des Glaubens, haben da ja noch eine ganz eigene weitere Ebene der „Obrigkeit“ zu beachten. Dies erinnerte mich an den werten Sir Lothar von Albstein, Ordensritter des St. Georg. Ihn trafen wir auf fast allen Cons dieses Jahr – Zeit der Abenteuer, DF und beide Moringaards! Und überall hatten wir sehr schönes gemeinsames Spiel. Ein Morgen auf Moringaard war erst komplett wenn ein „FÜR ST. GEORG! GUTEN MORGEN!“ durch die Bastion hallte 😄 Danke dafür! Das Schwert was Ihr uns schenktet, wird in Ehren gehalten 😉
Das Gesinde hat es beim Thema Freiheit wohl am einfachsten, es ist nur sich selbst verpflichtet. Was mich gedanklich zu der schönen Situation im Oktober-Moringaard bringt, wo wir noch mit einigen Leuten der Faust Myrias am letzten Abend am Feuer saßen und das Gesinde hinzukam. Sie aßen die herumgereichten Snacks weg, waren sehr laut und wollten im Mittelpunkt stehen. Kurz gesagt legten sie es drauf an, weggejagt und -geknüppelt zu werden und das befahl ich schlussendlich auch. Sie fanden das wohl sehr cool, wie mir später erzählt wurde! #konsequentesSpiel! 😎
Sternhagelvoll
Bei diesem Lied musste ich natürlich an die netten Abende bei der Grafschaft Gloria im April denken. Zwischen Runentee und Bardischen Darbietungen wurde ich sehr gut behandelt und hatte sehr viel Spaß. Im Oktober haben wir einen Handelsvertrag unterschrieben, durch welchen Karkas mit Wintergerste versorgt wird. Im Austausch erhält Gloria Nachhilfe durch unseren Geheimdienst, den Roten Orden. Sehr guter Tausch würde ich meinen! Danke an Gloria, für die wundervollen Momente und das gute Spiel 😊
Pikse Palve
„Ein donnerndes Gebet – Für den Pflug, für die Aussaat.
Ein donnerndes Gebet – Für das Kupfer, das Gold der Klinge.“
Erst im Nachhinein hab ich erfahren um was es in dem Lied geht – ein Stoßgebet für die Zukunft.
Lasst uns positiv ins neue Jahr schauen und dieses noch ruhig ausklingen! Ich hatte unglaublich viel Spaß in diesem Jahr und war auch das erste Mal auf so vielen Cons wie noch nie (5 an der Zahl).
Die Vorbereitungen für die nächsten LARP-Veranstaltungen laufen natürlich trotzdem schon an. So richtig das Hobby ruhen lassen, kann man irgendwie nie😅
Dies war das letzte Lied von In Extremo und wir begaben uns wieder durch die Menschenmassen zurück zum Auto um heimzufahren.
Epilog
Meine stereotypen LARP-Charaktere hab ich natürlich nicht wieder gesehen, sie hätten zusammen wahrscheinlich eine ziemlich gute Dungeons&Dragons-Abenteurergruppe ergeben.
Aber ist es nicht so, dass sie uns eh schon im Alltag begleiten? Kennen wir nicht alle den grimmigen Krieger, den überforderten Adeligen oder den weltfremden Elf? Oder sind wir es nicht manchmal selbst? Erst im LARP geben wir dem Ganzen einen Namen, eine Gewandung und eine (teils auch überspitzte) Rolle. Nur dort wird jenes ausgelebt, was sonst nur zwischen den Zeilen existiert. Und hinter jedem dieser Klischees steckt eben ein Mensch, der gesehen werden will.
Ich freue mich darauf, all diesen Rollen, und natürlich den Menschen dahinter, bald wieder zu begegnen.
Allen die nicht namentlich genannt wurden, möchte ich hier noch einmal für das schöne Spiel in diesem Jahr danken!
Es war mir eine Ehre mit euch und für euch zu spielen! Bis zur nächsten Con!
Mein Leben für den Fürsten – Für Karkas in den Krieg!
Eure Pani

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