- Datum: 03.–06.06.2026
- Ort: Flugplatzgelände Montabaur
- Truppengröße: 4 Soldaten und 1 Pani
In diesem Jahr verschlug es Karkas zum ersten Mal zu den Siegelkriegen in die Dark World.
Fünf Banner treten dort in einem Wettstreit gegeneinander an: das Banner der Völker, geprägt von Natur und vielen nordischen Gruppen; das Banner der Nacht, verbunden mit Intrigen und dem Kreislauf von Leben und Tod; das Banner der Hoffnung, geprägt von Licht, Ehre und auffällig vielen Rittern; sowie das Banner des Chaos, in dem sich vor allem das Warhammer-Chaos wiederfand. Daneben gab es die Os Sanguine Ecclesia, die Blutkirche und damit das Lager der Totlosen, die ebenfalls am Wettkampf teilnahmen.
Es gab zwei neutrale Lager: das gemeinsame Zwerge- und Söldnerlager, sowie die Stadt Ehrengard.
Die Banner versuchen während der Con Punkte für den Gesamtsieg zu sammeln. Dafür können unter anderem Siegelscheiben errungen werden, die am Ritualkreis verankert werden müssen. Auch die Banner (Flaggen) der gegnerischen Lager können erstritten werden und bringen Punkte. Zusätzlich veranstalten die Gilden Ehrengards verschiedene Wettstreite, bei denen ebenfalls Punkte gewonnen werden können.
Für uns ging es ins Banner der Völker, auch Fjordgar genannt. Sir Lothar hatte uns eingeladen, dort gemeinsam mit seiner Gunnarswacht zu lagern.

Dienstag – Frühanreise
Reingardt und ich reisten bereits am Dienstag mit einem gemieteten Transporter an. Diesmal hatten wir es mit gerade einmal einer Stunde Fahrt erfreulich nah und waren gegen 14 Uhr vor Ort.
Dort haben wir es allerdings erstmal geschafft, uns auf dem Gelände zu verfahren und landeten über immer schmalere Feldwege schließlich am völlig falschen Ende des Con-Geländes. Um von dort wieder dorthin zu kommen, wo wir eigentlich hinwollten, mussten wir schließlich sogar einmal quer über die Wiese fahren, was eigentlich ausdrücklich verboten war. Ups. 😀
Irgendwann fanden wir dann aber doch noch unseren eigentlichen Lagerplatz.
Zum Glück hatten wir auf dem Weg noch eine Pause bei Burger King gemacht und dadurch wohl genau das richtige Timing erwischt. Das große Unwetter war bereits durchgezogen und beim Ausladen hatten wir nur noch etwas Nieselregen.
Unser Platz im Banner der Völker war dafür wirklich großzügig bemessen und bot uns sehr viel Freiraum.
Sir Lothar kam ebenfalls kurz nach uns an. Da er noch von den Kämpfen in Moringaard verletzt war, halfen wir ihm zunächst dabei, sein Zelt aufzubauen. Danach standen auch unsere eigenen Zelte recht schnell.
Gegen 18 Uhr kamen Bolek, Jakub und Kolev an und wir bauten noch ihr Zelt sowie unser Sonnensegel auf.
Dabei stellte Kolev leider fest, dass seine Zeltstangen noch zu Hause lagen.
Also musste für die erste Nacht eine Übergangslösung her. Mit mehreren Stangen von den Sonnensegeln und sehr viel Gewebeband bauten wir irgendwie eine Ersatzkonstruktion zusammen.
Gehalten hat das Ganze am Ende vermutlich hauptsächlich durch viel Hass, Not und weil es einfach nicht anders ging.
Aber es hielt! 😀
Danach richteten wir langsam unser Lager ein und planten unter anderem einen Gesindetisch für die Soldaten und natürlich einen Adelstisch für Sir Lothar und mich.
Sir Lothar hatte sich dafür extra ein Sonnensegel von jemandem geborgt. Leider stellte sich dieses in den nächsten Tagen als kaum wasserdicht heraus. Während der Gesindetisch wunderbar trocken blieb, war unser Adelstisch nach jedem Regen komplett nass.
So viel zu den Privilegien des Adels. 😀
In unserer direkten Nachbarschaft schlug außerdem ein Söldner sein Zelt auf, der zunächst eigentlich gar nicht zu unserer Gruppe gehörte. Wie das auf Cons aber manchmal so ist, verschwimmen solche Grenzen ziemlich schnell – und neben Skip adoptierten wir im Laufe der nächsten Tage damit kurzerhand noch einen weiteren Lagerbewohner.
Er saß immer wieder bei uns, schloss sich uns bei verschiedenen Unternehmungen an und wurde so ganz selbstverständlich Teil unseres kleinen Karkas-Gunnarswacht-Sammelsuriums. Auch später bei der Bezahlung der Zwerge steuerte er noch einige seiner Hutkarten bei.
Offenbar hatten wir auf dieser Con ein gewisses Talent dafür, Leute einzusammeln.
Am späten Abend bestellten wir noch gemeinsam Pizza. Zu uns gesellten sich neben Sir Lothar auch der Chronist Skip sowie Olmek und Vilk, die wir bereits aus anderen Landen kannten. Die beiden lagerten diesmal im Banner der Nacht.
So konnten wir den ersten Abend noch gemütlich gemeinsam ausklingen lassen, bevor am nächsten Tag der eigentliche Wettstreit beginnen sollte.

Mittwoch – Und plötzlich Diplomatin
Am Mittwochmorgen machten wir uns zunächst daran, unser Lager fertig einzurichten und zu dekorieren. Bolek, Jakub und Kolev fuhren währenddessen zum Baumarkt, um eine etwas dauerhaftere Lösung für Kolevs fehlende Zeltstangen zu finden.
Nach einiger Zeit kamen sie mit einer durchaus kreativen Konstruktion zurück: Als neue Mittelstange sollte ein verschraubtes Metall-Abflussrohr mit Gummistopfen dienen, für den Zelteingang gab es eine Teleskopstange.
Nicht unbedingt das, was der Hersteller ursprünglich vorgesehen hatte, aber deutlich vertrauenerweckender als unsere Konstruktion aus Hass, Not und Gewebeband vom Vorabend.
Bei der Gelegenheit brachten sie auch weitere Stangen für unsere Sonnensegel mit. Die starken Winde auf dem Flugplatzgelände machten uns nämlich bereits ordentlich zu schaffen. Sie brachten im Laufe der Tage die Windseite meines Zeltes täglich mehrfach zum Einstürzen, egal wie gut oder schlecht dieses abgespannt war.
Wie stark der Wind tatsächlich werden konnte, bekam wenig später auch der Chronist Skip zu spüren. Sein Sonnensegel überlebte den ersten Tag leider nicht. Also zog er kurzerhand mit seinem IT-Tisch zu uns und stellte ihn an den Soldatentisch. Damit wurde Skip endgültig Teil unseres kleinen gemeinsamen Lagers von Karkas und Gunnarswacht. Von mir bekam er deshalb auch noch ein karkasisches Gürtelbanner und trug von nun an beide mit Stolz.

Der Wettstreit beginnt
Gegen 19 Uhr fand die OT-Ansprache statt und anschließend begann mit dem Eröffnungsritual auch offiziell das Spiel.
Das Ritual erinnerte stark an das Drachenfest: Die Gottheiten der verschiedenen Banner erschienen nacheinander und begrüßten einander. An ihrem Umgang miteinander konnte man bereits erkennen, wie die verschiedenen Seiten im vergangenen Zyklus zueinander gestanden hatten. Tekla, die Gottheit des Banners der Völker, kam stolz mit dem Dark World Schwert herein – die letzten beiden Jahre hatte das Banner der Völker die Siegelkriege gewonnen.
Mit dabei war auch Aldremer, eine Rabengottheit, die mit Tekla verbunden war. Wie sich während des Rituals herausstellte, war diese Verbindung von den Beobachtern und Bewahrern des Wettstreits allerdings gar nicht erwünscht. Aldremers eigentlicher Name lautete Asgrad und er gehörte zu den ersten Göttern dieser Welt. Statt weiterhin an Tekla gebunden zu sein, sollte er wieder eigenständig für die Stadt und ihre Bewohner da sein.
Die beiden wurden deshalb voneinander getrennt.
Hier hörte ich auch zum ersten Mal den Kampfruf unseres Banners:
„Stolz und frei – im Sturm vereint!“
Nun ja.
Das klang jetzt so gar nicht nach Karkas.
Aber gut. Mal sehen, wie dieser Wettstreit für uns laufen würde. 😀
Direkt nach dem Eröffnungsritual fand unser erstes Ting, die Gesamtversammlung Fjordgars, statt. Dort sollten zunächst die wichtigsten Positionen unseres Lagers bestimmt werden.
Zur Stimme, also der rechten Hand Teklas, wurde Ranek von der Wyrmklaue. Unser Heerführer wurde Patui von den Martha Ithron.
Dann fehlte noch ein Diplomat.
Es wurde gefragt, wer diese Aufgabe übernehmen wollte.
Stille. Niemand wollte.
Also ergriff ich irgendwann das Wort, stellte mich kurz vor und erzählte, dass ich schon häufiger in diplomatischer Mission unterwegs gewesen war.
Aus der Menge kam von einer Frau nur trocken:
„Passt, die nehmen wir!“
Und damit war ich plötzlich die einzige Diplomatin Fjordgars.
Kleines Problem:
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt praktisch keine Ahnung von der Geschichte dieses Landes, der Geschichte unseres Banners oder davon, wie Diplomatie auf den Siegelkriegen überhaupt funktionierte.
Was folgte, war also eine entsprechende Druckbetankung mit Informationen durch Mathenu, einen ehemaligen Diplomaten Fjordgars, und Sir Lothar.
Irgendwie musste ich schließlich möglichst schnell von „Ich bin seit ein paar Stunden hier“ zu „Ich vertrete dieses Lager gegenüber allen anderen Parteien“ kommen.
Noch am selben Abend hatte ich mein erstes offizielles diplomatisches Gespräch. Arkhyle, der für Fjordgar zuständige Diplomat des Banners der Nacht, kam zu mir.
Er hatte sich offensichtlich auf dieses Gespräch vorbereitet und entschuldigte sich ausführlich für die Verfehlungen und Eidbrüche seines Banners gegenüber Fjordgar in den vergangenen Jahren.
Nun hatte er allerdings das Glück, dass die neue Diplomatin von all diesen Verfehlungen herzlich wenig wusste. 😀
Ich versicherte ihm deshalb, dass dies für mich ein neuer Anfang sei. Was auch immer in den vergangenen Jahren zwischen unseren Bannern geschehen war, würde ich ihm nicht anlasten.
Wir würden von hier aus neu beginnen.
Ein Hilferuf an Tekla
Im Laufe des Abends erreichte Tekla außerdem ein Brief, der von einer Botin aus dem Chaoslager überbracht wurde.
Darin behauptete ein menschlicher Söldner, der bei den Zwergen lagerte, von diesen versklavt zu werden.
Tekla reagierte sofort und ließ einen Zwerg aus dem Zwergenlager zu sich holen. Dieser widersprach der Darstellung und erklärte den Brief für unwahr. Tekla glaubte ihm – offenbar hatte hier jemand versucht, die Zwerge bei unserem Banner zu diskreditieren.
Das sollte für meine ersten diplomatischen Schritte am nächsten Morgen noch wichtig werden.
Ein eigentlich kurzer Besuch in der Taverne
Später am Abend wechselte ich auf Arianna und wir wollten eigentlich nur noch gemütlich in die Taverne gehen. Mit dabei waren Kolev, Skip und ein ehemaliger Dschinn, der sich zuvor einfach bei uns im Banner der Völker angeschlossen hatte.
Er schien freundlich. Das war ein Fehler!
Auf dem Weg trafen wir einen Untoten, der sich uns anschließen wollte.
Okay. Warum nicht?
Kurz darauf begegneten wir noch einem zweiten Untoten, den ich OT kannte (hallo Scar!).
Und irgendwo an diesem Punkt eskalierte unser eigentlich vollkommen harmloser Tavernenbesuch.
Was genau der ehemalige Dschinn mit den beiden Untoten besprochen hatte, weiß ich bis heute nicht. Das Ergebnis war jedenfalls, dass er Kolev mehr oder weniger an die beiden verkaufte und diese nun versuchten, ihn zu überwältigen.
Warum genau? Keine Ahnung.
Kolev sollte sich diese Aktion allerdings merken. Im weiteren Verlauf der Con rächte er sich dafür, indem er den ehemaligen Dschinn gemeinsam mit den anderen Soldaten ordentlich zusammenschlagen ließ.
Man legt sich eben besser nicht mit einem Karkasen an. 😀
Aber zunächst hatten wir ein Problem.
Zum Glück kamen in diesem Moment zwei Zwerge vorbei. Wir baten sie um Hilfe, worauf diese zunächst eher wenig Lust hatten, sich in irgendwelche Probleme fremder Menschen mit Untoten einzumischen.
Bis einer der beiden unser Wappen erkannte.
„Seid ihr aus Karkas? Ich kenne Thromalin!“
So klein ist die Welt.
Plötzlich sah die Sache ganz anders aus. Mit zwei Zwergen auf unserer Seite schien Kolev für die Untoten dann doch nicht mehr ganz so leicht zu bekommen zu sein und die beiden verzogen sich.
Der Zwerg, der unser Wappen erkannt hatte, stellte sich als Borim Silberschlag heraus. Borim ist auf dem Drachenfest im Zwergenviertel unterwegs und hatte über die Winterpause Kontakt mit unserem Zwerg Thromalin gehalten. Sein Begleiter hieß Ortrek.
Wie wir später noch feststellen sollten, hatte Ortrek ein gewisses Talent dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen. An diesem Abend war er außerdem bereits ziemlich betrunken, was dabei vermutlich nicht unbedingt half.
Gemeinsam gingen wir schließlich doch noch in die Taverne von Ehrengard und tranken einen Met. Danach zog unsere Runde weiter zu unserem Lager, wo noch Bier und Met folgten und wir lange über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens sprachen:
Botenfanten, Thromalin und Heilbier!
Gegen 2 Uhr schafften wir es schließlich ins Bett.

Donnerstag – Bündnisse und Entscheidungen
Der Donnerstag begann für mich mit einem Besuch im Zwergenlager.
Unser Heerführer Patui wollte sich mit den Zwergen gut stellen und außerdem noch am selben Tag gemeinsam mit ihnen gegen das Banner des Chaos ziehen.
Da die Zwerge kein eigenes Wettbewerbsbanner hatten und sich stattdessen als Söldner verdingten, schlug ich ihnen direkt eine Zusammenarbeit vor.
Sie waren bereit, uns zu unterstützen – gegen 20 Gold oder einen entsprechenden materiellen Gegenwert.
Bei der Gelegenheit sprach ich auch den Brief vom Vorabend an und versicherte ihnen, dass Fjordgar alles dafür tun würde, solche Gerüchte aus der Welt zu schaffen und sie in uns treue Bündnispartner finden würden.
Auch ansonsten begann mein Tag wieder sehr diplomatisch.
Mit dem Banner der Nacht führte ich weiter Gespräche und außerdem lernte ich die Diplomaten des Banners der Hoffnung kennen.
Bei beiden Gesprächen kam dieselbe Frage auf:
Würde Fjordgar in diesem Jahr selbst den Sieg fordern? Oder würden wir ein anderes Banner unterstützen und damit zum Königsmacher werden?
Fjordgar hatte die vergangenen beiden Siegelkriege gewonnen. Gleichzeitig hatte uns insbesondere das Banner der Hoffnung dabei immer wieder unterstützt.
Es lag also durchaus nahe, diese Unterstützung nun zurückzugeben.
Nur Fjordgar selbst hatte dazu am Morgen noch keine wirkliche Meinung.
Bei einem ersten Ting versuchten wir, genau diese Frage zu klären – ohne Erfolg.
Also vertagten wir die Entscheidung zunächst.

Eine Schlacht, zwei Banner und irgendwie kein Sieg
Danach stand die geplante Schlacht gemeinsam mit den Zwergen gegen das Banner des Chaos an.
Und tatsächlich waren wir erfolgreich! Wir konnten das Banner des Chaos erkämpfen und machten uns damit auf den Rückweg nach Fjordgar.
Es gab nur ein kleines Problem:
Wir hatten währenddessen unser eigenes Banner verloren.
Während ein großer Teil Fjordgars ausgezogen war, hatte sich nämlich ausgerechnet unser Nachbar, das Banner der Nacht, unser Banner geschnappt.
Damit entstand vor unserem Lagertor eine etwas absurde Pattsituation. Bolek stand mit dem erbeuteten Chaosbanner vor unserem Lager, konnte es aber nicht hineinbringen, solange unser eigenes Banner nicht zurückgeholt worden war. Dies war eine wichtige Regel des Wettkampfs.
Gleichzeitig versuchten die Kämpfer des Chaos, sich durch die letzten Truppen Fjordgars zu kämpfen und wieder an ihr Banner zu gelangen.
Irgendwann wurde also die Diplomatin gerufen.
Vor unserem Tor erwartete mich ein Diplomat des Chaos, dessen Kleidung über und über mit Slaanesh-Symbolen bedeckt war. Er forderte die Herausgabe des Banners und erklärte mir, dass Fjordgar gegenüber dem Chaos noch offene Gefallen aus den vergangenen Jahren hätte.
Wieder so ein Moment, in dem es etwas ungünstig war, dass die Diplomatin keinerlei Ahnung von den vergangenen Jahren hatte. 😀
Ich zog deshalb schnell Skip und Sir Lothar zur Beratung hinzu. Beide bestätigten mir, dass tatsächlich noch entsprechende Schulden bestanden.
Damit war die Sache für mich klar.
Ich wies Bolek an, das erbeutete Chaosbanner an den Diplomaten auszuhändigen und damit unsere alten Schulden zu begleichen.
Die Kämpfer des Chaos sahen die Angelegenheit allerdings offenbar etwas anders als ihr Diplomat. Statt damit zufrieden nach Hause zu ziehen, kämpften sie anschließend gemeinsam mit dem Banner der Nacht gegen uns.
Unser eigenes Banner bekamen wir damit erstmal nicht zurück.
Das lief doch hervorragend xD

Fjordgar entscheidet sich
Am Nachmittag konnten wir dafür an anderer Stelle einen Erfolg verbuchen: Fjordgar gewann den Bogenschützen-Wettbewerb in Ehrengard.
Mittlerweile hatte sich auch die Stimmung innerhalb unseres Banners verändert.
Tekla empfing Ulthor, die Gottheit des Banners der Hoffnung. Nachdem dieser unser Lager wieder verlassen hatte, bat Tekla mich persönlich darum, nun endlich für eine Entscheidung Fjordgars zu sorgen.
Also beriefen wir einen weiteren Ting ein.
Ich legte noch einmal die Fakten dar: Fjordgar hatte die vergangenen beiden Jahre gewonnen. In diesem Jahr hatten wir ungefähr nur halb so viele Kämpfer wie im Vorjahr. Und wenn es ein Banner gab, das nach all der Unterstützung der letzten Jahre verdient hatte, dass wir uns nun revanchierten, dann war es das Banner der Hoffnung.
Diesmal war die Entscheidung eindeutig.
Fjordgar würde nicht selbst fordern. Wir würden das Banner der Hoffnung unterstützen.
Die Abstimmung fiel beinahe einstimmig aus.
Damit bekam ich direkt meinen nächsten Auftrag: Gemeinsam mit den Karkasen sollte ich Ulthor suchen und ihn zurück nach Fjordgar holen. Schließlich wollten wir unsere Siegelscheibe in seinem Namen ankern und er sollte dabei sein.
Wir fanden ihn schließlich am Eingang von Ehrengard. Ich überbrachte ihm die Nachricht und lud ihn dazu ein, der Ankerung beizuwohnen.
Ulthor schien über unsere Entscheidung durchaus erfreut und sagte sinngemäß:
„Das Banner der Völker überrascht mich. So viel Weisheit hätte ich nicht erwartet.“
Schön! Es gab nur ein winziges organisatorisches Problem. Ich hatte keine Ahnung, wo man eigentlich eine Siegelscheibe ankerte. Das erklärte ich Ulthor dann auch.
Er sah mich an, drehte sich zu meinen Soldaten um und fragte diese. 😀
Zum Glück hatte Bolek beim Eröffnungsritual besser aufgepasst als seine Diplomatin und wusste, dass wir dafür zum Ritualkreis mussten.
Dort traf wenig später auch Tekla mit einem Teil Fjordgars ein. Zufällig begegnete ich außerdem dem Diplomaten des Banners der Hoffnung.
Das erwies sich als ausgesprochen praktisch, denn wir stellten fest, dass wir die Siegelscheibe überhaupt nicht im Namen der Hoffnung ankern konnten, solange kein Mitglied ihres Banners anwesend war.
Damit war es schließlich offiziell: Fjordgar schenkte seinen ersten Punkt in den Dienst des Banners der Hoffnung.
Am selben Nachmittag handelte ich auch einen Nichtangriffspakt mit dem Banner der Nacht aus. So konnte uns nicht nochmal so einfach vom Nachbarn das Banner geklaut werden.

Ein sehr hartnäckiger Verehrer
Im Laufe des Tages stellte sich außerdem Olmek bei mir vor, den wir am Dienstagabend schon bei unserer OT-Pizza-Runde dabei gehabt hatten. Er gehörte zum Banner der Nacht und war dort wohl vor allem als „Geldsack“ bekannt.
Sein Interesse galt allerdings zunächst weniger Fjordgar als vielmehr mir persönlich.
Olmek begann nämlich, Nataliya ziemlich offensiv den Hof zu machen. Er überschüttete mich mit Komplimenten, brachte mir Macarons mit und lud mich zu gemeinsamen Spaziergängen ein.
Unter anderem schenkte er mir auch mehrere Scheine für das Todesbingo, zu dem er mich für den Abend einlud.
Was sollte da schon schiefgehen?
Zuvor versuchten das Banner der Hoffnung und Fjordgar allerdings noch gemeinsam einen Angriff auf die Totlosen.
Der Plan funktionierte deutlich schlechter als unsere Schlacht am Vormittag. Uns erwarteten mehrere Wellen von Totlosen und ihr Tor war ausgesprochen gut gesichert.
Letztendlich gelang es uns nicht, es zu überwinden.
Unerwarteter Besuch aus dem Grauen Lager
Am Nachmittag bekamen wir noch überraschenden Besuch von zwei sehr bekannten Gesichtern: Tha’Risha, die ehemalige Paladina des Grauen Lagers, und Lys.
Wer meinen Bericht von der Grauen NachCon gelesen hat, wird sich vielleicht erinnern: Tha’Risha war dort wegen mehrerer Vergehen vor Gericht gestellt und unter anderem dafür verurteilt worden, zwei Graue Bewahrer verflucht und ihren Paladineid gebrochen zu haben. Damals hatte sie außerdem offen zugegeben, erneut dem Chaos verfallen zu sein. Lys wiederum gehörte zu den Kinetikern, die die Anklage gegen sie geführt hatten.
Umso interessanter war es, die beiden nun einige Zeit später gemeinsam auf den Siegelkriegen wiederzutreffen.
Sie kamen für eine Weile zu uns ins Lager und wir konnten endlich ein bisschen erfahren, was seit der Gerichtsverhandlung eigentlich geschehen war. Gleichzeitig hatte Tha’Risha natürlich reichlich Gelegenheit, ihre inzwischen deutlich sichtbare Korruption auszuspielen.
Ich hielt mich bei dem Gespräch eher zurück und beobachtete viel, aber gerade dadurch war es sehr spannend zu sehen, wie sich das Verhältnis zwischen den beiden seit unserer letzten Begegnung entwickelt hatte.
Besonders viel Glück hatte Tha’Risha allerdings mit dem Zeitpunkt ihres Besuchs.
Von den Karkasen, die sie noch von früher kannten war nur Reingardt mit in der Dark World. Und der war ausgerechnet gerade nicht im Lager.
Das war vermutlich besser für alle Beteiligten, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass seine erste Reaktion auf die inzwischen offen korrumpierte ehemalige Graue Paladina deutlich weniger gesprächsorientiert ausgefallen wäre 😀
Todesbingo
Am Abend fand dann besagtes Todesbingo statt, ausgerichtet von Vrakaz persönlich – der Gottheit des Todes und Lagergottheit des Banners der Nacht.
Das Prinzip war zunächst tatsächlich einfach normales Bingo: Vrakaz zog nacheinander Zahlen und wer auf seinem Schein zuerst horizontal, vertikal oder diagonal eine vollständige Reihe hatte, gewann.
Allerdings wäre es wohl kein Todesbingo unter der Aufsicht der Gottheit des Todes gewesen, wenn es dabei geblieben wäre.
Auf jedem Bingoschein befand sich oben rechts zusätzlich eine rot eingekreiste Zahl.
Wurde diese gezogen, hatte man nicht einfach verloren.
Man war tot.
Ich durfte für das Bingo sogar direkt vorne am Tisch sitzen: Berta, die rechte Hand von Vrakaz, Vrakaz selbst und daneben ich.
Olmek hatte allerdings nicht besonders lange etwas von dem Spiel. Gefühlt mit der zweiten gezogenen Zahl erwischte es ihn und er fiel tot um.
Ich fand das natürlich sehr lustig.
Ungefähr bis zur vierten Zahl.
Dann wurde meine gezogen.
Damit waren Olmek und ich beide tot und durften als Geister beobachten, was die Lebenden aus unserem plötzlichen Ableben machten.
Und genau da wurde es richtig lustig.
Jakub hatte mitbekommen, dass ich gestorben war. Eigentlich hatten die Karkasen zu diesem Zeitpunkt von 22 bis 3 Uhr Torwache in Fjordgar.
Nun mussten sie allerdings zusätzlich mit dem plötzlichen Tod ihrer Pani umgehen.
Olmek und ich gingen als Geister zum Tor Fjordgards hinüber und konnten dabei zusehen, wie sich die Nachricht verbreitete.
Jakub war vollkommen aufgelöst und verkündete sinngemäß:
„Pani ist gestorben! Mein Leben macht keinen Sinn mehr!“
Reingardt stand derweil oben auf der Palisade und spielte ebenfalls entsprechend dramatisch aus, dass seine Pani gerade verstorben war, indem er sich fast von der Palisade stürzte.
Während die Karkasen also vollkommen ernsthaft um mich trauerten, standen Olmek und ich unsichtbar daneben und lachten uns kaputt. 😀
Natürlich konnten wir es auch nicht lassen, Reingardt als Geister Dinge einzuflüstern.
Meine Ratschläge für sein weiteres Leben waren ungefähr:
„Geh zum Chaoslager! Geh ins Bordell!“
Olmek hatte dagegen deutlich weniger hilfreiche letzte Worte:
„Lern lesen und schreiben!“
Reingardt reagierte sogar auf unsere Stimmen und stellte irgendwann fest, dass die eine ihm schöne Dinge sagte, während die andere eher nicht so hilfreich war.
Wir konnten nicht mehr 😀
Vor allem der Kontrast war einfach großartig: Vor uns spielten die Karkasen die vollkommene Verzweiflung über meinen Tod aus – insbesondere Jakub war völlig fertig – und wenige Meter entfernt standen Olmek und ich ausge-ixt daneben und lachten Tränen.
Nach einigen Minuten gingen wir schließlich zurück zum Todesbingo.
Kurz darauf gab es einen Gewinner.
Vrakaz schnippte einmal mit den Fingern – und holte sämtliche beim Bingo Verstorbenen wieder ins Leben zurück.
So schnell kann Trauerbewältigung gehen. 😀

Freitag – Götter, Zwerge und offene Rechnungen
Am Freitag stand zunächst der nächste gemeinsame Kampf mit den Zwergen an. Kurz bevor wir ausziehen wollten, bekam ich allerdings Besuch von der Bingenmeisterin der Zwerge. Und die war nicht besonders glücklich mit uns. Vollkommen zu Recht, denn wir hatten unsere Zwerge für den Kampf vom Vortag noch immer nicht bezahlt. Ich versprach ihr deshalb, dass sie nach dem anstehenden zweiten Kampf die Bezahlung für beide Einsätze erhalten würden.
Nachdem unser Angriff auf das Tor der Totlosen am Vortag vollkommen gescheitert war, wollten wir es diesmal mit aller verfügbaren Kraft versuchen.
Gemeinsam mit den Zwergen, dem Banner der Hoffnung und sogar den Belagerungswaffen aus Ehrengard zog Fjordgar erneut gegen das Tor der Totlosen.
Und diesmal waren wir erfolgreich. Ganz ohne Verluste ging die Sache allerdings nicht aus.
Bolek wurde während des Kampfes von der Mutter der Totlosen, ihrer Anführerin, korrumpiert und auf die Gegenseite gezogen.
Unter den Totlosen befand sich auch der Teichherr, den wir aus Moringaard kennen und der hier auch als Untoter unterwegs war. Dieser schnappte sich den korrumpierten Bolek und spazierte mit ihm anschließend einfach geradewegs durch das Tor von Fjordgar.
Und das Erschreckende daran: Es funktionierte.
Am Tor standen sogar Wachen. Die sahen offenbar Bolek, erkannten einen der unseren und achteten nicht weiter darauf, wer ihn da eigentlich begleitete.
So lief plötzlich ein Totloser mitten durch unser Lager.
Er kam sogar ziemlich weit und wurde erst ganz in meiner Nähe aufgehalten. Ich schrie noch „Totloser im Lager!“, woraufhin endlich entsprechend reagiert und der Teichherr geschnappt wurde.
Die Torwache durfte sich anschließend von mir auch noch einiges anhören. In Fjordgar kommt man irgendwie nur Respekt, wenn man schreit. Tekla kann ein Lied davon singen 😀
Bolek selbst war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits tot.
Zufällig war gerade Olmek bei mir zu Besuch, natürlich nicht ohne mir Macarons mitgebracht zu haben, und kümmerte sich schließlich um ihn.
Normalerweise hätte Bolek anschließend wieder in Fjordgar erwachen müssen. Bei unserer Ankunft hatten wir alle etwas von uns am Garten Fjordgars hinterlassen und uns damit dort verankert.
Bolek tat das nicht. Stattdessen erwachte er ausgerechnet im Banner der Nacht.
Wir vermuteten, dass dies mit Olmeks Wiederbelebung zusammenhing. Und natürlich war auch diese Hilfe nicht vollkommen kostenlos: Bolek schuldete dem Banner der Nacht anschließend einen Gefallen.
Zahltag für die Zwerge
Nach dem Kampf kamen die Karkasen mit der noch immer ziemlich angepissten Bingenmeisterin und einigen weiteren Zwergen zurück ins Lager.
20 Gold pro Kampf hatten wir zwar nicht unbedingt herumliegen – dafür konnten wir ihnen einen etwas abwechslungsreicheren materiellen Gegenwert anbieten.
Am Ende bestand die Bezahlung aus einem Kasten Bier, drei Flaschen karkasischem Schnaps (danke Kolev und Reingardt), karkasischen Keksen, sieben Gold und einigem Silber. Dazu kamen essbare Steine, ein kleiner aus Draht handgeknüpfter Zweig mit Gold daran vom Rest des Lagers, sowie einige Hutkarten unseres inzwischen mehr oder weniger adoptierten Söldners.
Die Zwerge waren mit ihrer Bezahlung jedenfalls ausgesprochen glücklich und mehr als besänftigt. Die Karkasen begleiteten sie noch zurück in ihr Lager.
Auf der Suche nach Asgrads Anhängern
Auch Asgrad hatte wieder nächtliche Aufgaben vorbereitet.
Für diese Nacht waren auf dem gesamten Gelände 30 grüne Kettenanhänger verteilt worden. Wer es schaffen würde, am Ende alle zusammenzubringen, konnte damit eine Siegelscheibe gewinnen.
Reingardt und ich machten uns deshalb irgendwann auf den Weg nach Ehrengard.
Es war allerdings unglaublich heiß, weshalb wir uns zunächst einen Slushie gönnten.
Prioritäten. 😀
Im Kuriosium wurden wir tatsächlich fündig: Dort hing einer der gesuchten Anhänger an einer ausgestellten Rüstung.
Einfach einstecken konnte ich ihn allerdings nicht. Ich gebe zu, dass ich kurz darüber nachgedacht habe – aber ich wurde dabei doch etwas zu aufmerksam beobachtet.
Stattdessen wurde mir erklärt, dass man sich über den Anhänger durchaus einigen könne.
Ich gab die Information über seinen Standort also weiter. Ob daraus später tatsächlich etwas wurde, weiß ich nicht. Die Siegelscheibe bekamen wir in dieser Nacht jedenfalls nicht.
Ein plötzlich einsetzender Regenschauer sorgte schließlich dafür, dass unser Stadtbesuch deutlich kürzer ausfiel als geplant und wir wieder nach Fjordgar zurückkehrten.

Wenn der Gott des Todes reden möchte
Im Laufe des Tages kam Olmek mit einer etwas ungewöhnlichen Nachricht zu mir: Vrakaz wollte mit mir sprechen.
Ich war zunächst ziemlich verwundert. Warum wollte die Gottheit des Todes ausgerechnet mit mir reden? Also fragte ich als Erstes, ob es um Diplomatie ging.
Nein.
Es ging um mich.
Nun gut. Wenn der Gott des Todes persönlich nach einem ruft, geht man wohl besser hin. 😀
Also machte ich mich gemeinsam mit Reingardt, der mich als Wache begleitete, auf den Weg ins Banner der Nacht.
Was folgte, war kein kurzes Gespräch. Vrakaz nahm sich sicherlich eine halbe Stunde Zeit für mich und wir sprachen tatsächlich über Gott und die Welt – teilweise sogar wortwörtlich.
Er fragte nach Karkas, nach dem Problem mit den Untoten in unserem eigenen Land, nach meiner Person und nach unseren Soldaten und ihren Tugenden. Auch das Graue Lager auf dem Drachenfest war ihm offenbar nicht unbekannt und wir sprachen darüber, wie wir dessen Philosophie verstehen und auslegen.
Zwischendurch hatte ich allerdings durchaus das Gefühl, dass Vrakaz nicht nur neugierig war, sondern mich auch testete.
So bot er mir beispielsweise an, mich einfach direkt und sofort seinem Banner anzuschließen.
Ich lehnte ab.
Ich hatte die Aufgabe angenommen, Fjordgar auf diesen Siegelkriegen als Diplomatin zu vertreten, und damit eine Verpflichtung übernommen, die ich auch zu Ende führen wollte.
Offenbar war das die richtige Antwort.
Wie ich erfuhr, hätte eine andere Entscheidung dieses kleinen Tests für mich wohl durchaus tödlich enden können. 😀
Besonders interessant wurde unser Gespräch, als wir über Vrakaz selbst sprachen. Schließlich war er die Gottheit des Todes – und auch Karkas kennt mit Asmeth einen Gott des Todes.
Also fragte ich ihn, ob zwischen ihnen eine Verbindung bestand.
Vrakaz erklärte mir, dass die Gottheiten der Banner auch durch die Menschen geprägt werden, die ihnen folgen. Würden wir zu ihm kommen, würde dadurch auch er selbst mehr wie Asmeth werden. Asmeth sei durchaus ein Teil von ihm.
Am Ende unseres Gesprächs äußerte Vrakaz schließlich einen ziemlich eindeutigen Wunsch:
Im nächsten Jahr sollte ich mit Karkas im Banner der Nacht lagern.
Nun ja.
Wenn der Gott des Todes persönlich darum bittet, dass man im kommenden Jahr zu ihm kommt – und einem vorher erklärt hat, dass der eigene Gott des Todes ebenfalls ein Teil von ihm ist – wer sagt da bitte Nein?
Ich jedenfalls nicht!
Teklas Gefühle
Nach meinem Gespräch mit Vrakaz kehrte ich nach Fjordgar zurück.
Dort bekam ich mit, wie einige Mitglieder der Wyrmklaue, aus der auch Ranek stammte, Tekla von einem Traum erzählten.
Ihre Welt sei möglicherweise dem Untergang geweiht und vielleicht würden sie deshalb im nächsten Jahr nicht mehr Teil des Banners der Völker sein können.
Teklas Reaktion darauf war heftig.
Sie warf ihnen vor, immer stark sein zu wollen und ihre wirklichen Gefühle nicht zu zeigen. Alles, was sie nach außen trugen, sei Wut. Angst, Trauer und all die anderen Gefühle würden dagegen unterdrückt.
Doch Tekla spürte sie trotzdem.
Und wenn ihre Leute nicht bereit waren, diese Gefühle selbst zu zeigen, dann würde sie es eben für sie tun.
Tekla begann zu weinen und zu zittern, war gleichzeitig traurig und wütend und redete uns allen ins Gewissen.
Wir sollten unsere Gefühle nicht ständig unterdrücken. Denn auch wenn wir sie nicht zeigten, verschwanden sie nicht – und am Ende würden sie bei ihr landen.
Diese Szene hat mich selbst viel stärker getroffen, als ich erwartet hatte.
Seit Mittwoch war ich plötzlich Diplomatin eines Landes und eines Banners, über das ich zu Beginn praktisch nichts wusste. Ich versuchte, irgendwie die richtigen Entscheidungen zu treffen, Bündnisse auszuhandeln und der Verantwortung gerecht zu werden, die ich übernommen hatte.
Und natürlich hatte auch ich Angst, dabei Fehler zu machen.
Als Tekla davon sprach, dass wir alle Ängste haben und diese nicht immer verstecken müssen, war es dann auch bei mir vorbei und ich habe geweint wie ein Schlosshund.
Es war einer dieser ungeplanten LARP-Momente, die einen plötzlich sehr persönlich erwischen.

Singen, Tanzen, Käse!
Zum Glück gab es daneben auch wieder deutlich weniger ernste Aufgaben.
Bereits zu Beginn des Spiels hatten die Zwerge einen Wettstreit angekündigt, bei dem entschieden werden sollte, welches Banner ihre Unterstützung in der Endschlacht erhalten würde.
Der Name:
„Singen, Tanzen, Käse!“
Mehr Informationen gab es nicht.
Wir fanden einen Barden in Fjordgar, der eigens ein Lied über ein Käsefest für unseren Auftritt schrieb. Dazu hatten wir unser Drachenwesen, das ich bereits aus Moringaard kannte und das den tänzerischen Teil übernehmen würde.
Fehlte noch Käse.
Dafür hatten wir bereits am Vortag bei der Metschmiede in Ehrengard eine Käseplatte bestellt.
Damit waren wir bestens vorbereitet.
Wir hatten Gesang.
Wir hatten Tanz.
Wir hatten Käse.
Der Wettstreit selbst war wirklich schön anzusehen. Unter anderem traten zwei Chaos-Zwerge auf, die singend und tanzend ein Lied über Gotterhain darboten.
Nur Käse hatten sie keinen.
Punktabzug! 😀
Besonders beeindruckend war allerdings der Beitrag des Banners der Nacht mit einer wunderschönen Tänzerin, Trommeln und Gesängen. Sie warfen außerdem mit Käsewürfeln um sich.
Am Ende gewann tatsächlich das Banner der Nacht und damit die Unterstützung der Zwerge für die Endschlacht.
Und auch wenn ich natürlich lieber Fjordgar vorne gesehen hätte: Der Sieg war meiner Meinung nach verdient.

Wir haben eine Elfe gekauft
In Ehrengard fand außerdem eine Versteigerung statt.
Eine Elfe ließ dort für einen guten Zweck einige Stunden ihrer Gesellschaft für den Abend versteigern. Das gesammelte Geld sollte wohl dem Picknick der Götter mit den Kindern zugutekommen.
Eigentlich hatten wir die Auktion gar nicht gewonnen.
Das höchste Gebot war anonym per Brief eingegangen und lag, soweit ich mich erinnere, bei ungefähr zehn Gold. Dieses wurde allerdings nicht eingelöst. Auch der nächste Bieter erschien nicht.
Und so rückten irgendwann meine Soldaten nach, die zusammen ungefähr 70 Kupfer geboten hatten.
Damit hatten die Karkasen für den Abend eine Elfe ersteigert.
Natürlich luden sie sie anschließend zu uns ins Lager ein und man saß zusammen und trank etwas.
Bis im Gespräch plötzlich herauskam, dass unsere ersteigerte Elfe erst 17 Jahre alt war.
Spätestens bei einem sinngemäßen „Ich bin aber schon sehr reif für mein Alter“ gingen bei allen Beteiligten gleichzeitig sämtliche Alarmglocken an.
Der Alkohol wurde umgehend weggepackt.
Und sagen wir einfach:
Die Stimmung war danach eine etwas andere.
Pläne für den nächsten Morgen
Am Abend kam Patui, der Heerführer, schließlich mit einer neuen Idee auf mich zu:
Fjordgar sollte gemeinsam mit dem Banner der Hoffnung das Banner der Nacht angreifen.
Eigentlich kein schlechter Plan.
Es gab nur ein kleines Problem:
Ich hatte einen Nichtangriffspakt mit dem Banner der Nacht geschlossen.
Also fanden wir eine Lösung, bei der wir unseren Verbündeten helfen konnten, ohne unser eigenes Wort zu brechen.
Die Hoffnung würde Nacht selbst angreifen. Fjordgar sollte ihnen lediglich den Rücken freihalten und verhindern, dass sich die Totlosen oder das Banner des Chaos einmischten.
Damit musste nur noch die Hoffnung zustimmen.
Da meine Karkasen zu diesem Zeitpunkt anderweitig beschäftigt waren, hatte ich allerdings keine eigene Begleitung zur Verfügung. Einer der Adeligen Fjordgars, ein sehr freundlicher Graf, hatte gerade freiwillig die Torwache übernommen. Als er von meinem Vorhaben erfuhr, organisierte er kurzerhand jemanden, der ihn dort ablöste, und bot an, mich zu begleiten.
Beim Banner der Hoffnung angekommen, stieß unser Plan grundsätzlich auf Zustimmung.
Allerdings war die Lage rund um die beiden nahe beieinanderliegenden Lager von Hoffnung und Chaos gerade alles andere als entspannt. Die Chaoten sorgten dort für ordentlich Unruhe und eine Gruppe der Hoffnung, die eigentlich für ein Ritual nach Fjordgar kommen wollte, konnte momentan nicht gefahrlos hinaus.
Der Graf und ich mussten allerdings irgendwie wieder zurück.
Also schlichen wir uns an der ganzen Situation vorbei.
Und erstaunlicherweise funktionierte das völlig problemlos. 😀
Kaum waren wir wieder in Fjordgar angekommen, änderte sich unsere gesamte Planung allerdings noch einmal.
Der Diplomat des Banners der Nacht erschien und kündigte unseren Nichtangriffspakt.
Nun gut.
Damit hatten wir am nächsten Morgen auch keinen Grund mehr, lediglich den Rücken der Hoffnung freizuhalten.
Jetzt konnten wir selbst angreifen.
Währenddessen: Karkas macht Casino-Wache
Während ich zwischen den Bannern unterwegs war, hatte ich meine Soldaten mit einer anderen Aufgabe betraut.
Ich hatte erfahren, dass ein Lager eine weitere Siegelscheibe erhalten konnte, wenn es sich besonders um Ehrengard beziehungsweise das dortige Drachenviertel verdient machte.
Also schickte ich die Karkasen zum Wachdienst am Casino.
Und meine Soldaten beschränkten sich offenbar nicht darauf, einfach nur dekorativ vor der Tür herumzustehen.
Sie machten ordentlich Werbung und schafften es, zahlreiche Besucher ins Casino zu locken. Zeitweise bildeten sich dort richtig große Schlangen.
Als ich gegen 23 Uhr kam, um meine Soldaten wieder abzuholen, hatte sich ihr Einsatz entsprechend ausgezahlt.
Neben dem vereinbarten Lohn von fünf Kupfer pro Person erhielten sie für ihre gute Arbeit zusätzlich einen Schleifstein und einen magischen Kristall, mit dem sich ein Rüstungsteil oder eine Waffe verbessern ließ.
Manchmal lohnt sich Wachdienst eben doch. 😀

Samstag – Der letzte Tag des Wettstreits
Der Samstag begann früh.
Sehr früh.
Das Banner der Nacht hatte sich nämlich einen ziemlich gemeinen, aber ausgesprochen effektiven Plan überlegt:
Man greift die anderen Lager einfach zu einer Uhrzeit an, zu der kaum jemand wach ist.
Also sammelten sich gegen 8 Uhr gerade einmal 15 bis 20 Leute, inklusive Vrakaz, und zogen gemeinsam von Banner zu Banner. Dort schlugen sie die Tore ein, überwältigten die wenigen bereits wachen Verteidiger und nahmen jeweils das Lagerbanner mit.
Gegen 8:40 Uhr waren wir an der Reihe.
Zu diesem Zeitpunkt standen in Fjordgar gerade einmal Jakub, Sir Lothar, Patui, ich und vielleicht vier weitere Personen zur Verteidigung bereit.
Wir haben es versucht.
Wirklich.
Aber gegen den Trupp des Banners der Nacht hatten wir keine Chance und so verschwand auch unser Banner.
Hinter der Aktion steckte allerdings mehr als nur das Sammeln einzelner Punkte. Die Nacht wollte aus allen erbeuteten Bannern ein Banner der Vereinigung erschaffen, das ihnen noch einmal zusätzliche fünf Punkte einbringen würde.
Und genau das gelang ihnen auch.
Was macht man also, nachdem das Nachbarlager gerade das eigene Tor eingeschlagen, das Banner gestohlen und damit ordentlich Punkte gemacht hat?
Natürlich geht man dort erstmal Kaffee trinken. 😀
Kaffeetratsch bei den Bluthexen
Am Vortag war ich zufällig bei den Wasserfällen einigen Bluthexen aus dem Banner der Nacht begegnet.
Irgendwie waren wir dabei auf Kaffee gekommen und ich hatte erzählt, dass in meinem eigenen Lager praktisch niemand welchen trank.
Daraufhin bekam ich kurzerhand eine Einladung:
„Dann komm doch morgen früh zu uns und trink mit uns Kaffee.“
Nun hatten wir nach dem morgendlichen Überfall ohnehin nichts mehr zu verlieren.
Also machte ich mich tatsächlich auf den Weg ins Banner der Nacht und besuchte die Bluthexen zum Kaffeetratsch.
Dort traf ich auch Sanja wieder, die wir unter anderem als eine der SLs aus Moringaard kennen.
Und so saßen wir einfach gemütlich zusammen, aßen Kekse, tranken wirklich guten Kaffee und unterhielten uns.
Keine schwierigen Verhandlungen. Keine Intrigen. Kein Streit wegen unseres gerade gestohlenen Banners.
Einfach ein sehr netter Kaffeetratsch beim Feind. 🙂
Die Revanche
Lange hielt der Frieden allerdings nicht.
Um 11 Uhr stand der bereits am Vorabend geplante gemeinsame Angriff von Fjordgar und dem Banner der Hoffnung auf das Banner der Nacht an.
Da Nacht unseren Nichtangriffspakt selbst aufgelöst hatte, konnten wir diesmal ganz offiziell mitkämpfen.
Und der Angriff verlief ausgesprochen erfolgreich.
Wir drangen ins Banner der Nacht ein und konnten deren Lagerbanner erbeuten.
Natürlich beanspruchten wir den Punkt nicht für uns selbst. Schließlich hatten wir uns entschieden, in diesem Jahr das Banner der Hoffnung beim Sieg zu unterstützen.
Wenn wir schon einmal dort waren, wollten wir eigentlich auch noch das Lagerartefakt der Nacht mitnehmen.
Dabei lernten wir allerdings eine sehr wirksame Verteidigungsstrategie gegen Diebstahl kennen:
Das Lagerartefakt war OT kaputt.
Was nicht da war, konnten wir leider auch nicht klauen. 😀
Ab 12 Uhr begann schließlich der Festfrieden.
Die Große Bärin und Reingardts Axt
Die Zeit vor der Endschlacht nutzten Reingardt und ich noch für unseren am Vorabend gewonnenen magischen Kristall.
Diesen wollten wir für Reingardts mit einem Rattenschädel verzierte Axt verwenden und suchten dafür einen Oger-Schmied in Ehrengard auf.
Und daraus entstand eines dieser wunderschönen kleinen IT-Spiele, für die man eigentlich gar keine große spielmechanische Belohnung braucht.
Der Oger nahm sich zunächst viel Zeit, die Axt zu untersuchen. Er fragte Reingardt, wofür die Waffe für ihn stand und was sie zukünftig für ihn leisten sollte. Dabei rief er immer wieder seine Göttin, die Große Bärin, an.
Schließlich begann das eigentliche Schmiederitual.
Die Axt wurde an das Feuer gehalten und der Oger erhitzte gleichzeitig ein Stück echtes Eisen. Als er dieses anschließend ins Wasser tauchte und der Wasserdampf aufstieg, entstand der Eindruck, als würde gerade Reingardts Axt selbst neu geschmiedet.
Dabei wurde schließlich auch unser Kristall in die Waffe eingearbeitet.
Das Ergebnis passte ausgesprochen gut zu Reingardt: Wird er in die Enge getrieben, soll er sich zukünftig wie eine in die Ecke gedrängte Ratte verhalten – umso wilder und verbissener kämpfen und noch einmal alles aus sich herausholen.
Eine wirkliche IT-Spielwirkung hat das Ganze nicht.
Aber das brauchte es auch überhaupt nicht.
Der Oger-Schmied hatte aus einem einfachen magischen Kristall eine wunderschöne Szene gemacht.
Diplomaten gehören in die Blutgrube
Vor der Endschlacht wollten Reingardt, Moe, Thorgil und ich noch das Banner des Chaos besuchen.
Moe war eine Halbelfin und die Assistentin unseres Chronisten Skip. Begleitet wurde sie meist von Thorgil, einem Erdganasi – einem Wesen, das vollständig aus Stein bestand. Die beiden begleiteten mich inzwischen auch immer wieder auf meinen diplomatischen Missionen.
Ganz so einfach kam allerdings nicht jeder ins Chaoslager hinein.
Reingardt musste dafür zunächst eine Khorne-Axt berühren, eine Waffe, in der ein Dämon Khornes steckte. Kaum hatte er sie angefasst, verfiel er in eine wilde Raserei und landete schließlich in einem Zweikampf, den er nicht überlebte.
Ich dagegen kam aus einem anderen Grund zu meiner Runde in der Blutgrube. Das Banner des Chaos war in diesem Jahr vergleichsweise klein und bekam entsprechend wenig diplomatisches Spiel. Umso größer war offenbar die Freude, als tatsächlich eine Diplomatin ihr Lager betrat.
„Oh, eine Diplomatin? Diplomaten kommen direkt in die Blutgrube!“
Na wunderbar xD
Die Blutgrube war genau das, wonach sie klang: ein Kampfplatz ganz im Sinne Khornes, auf dem bis zum Tod gekämpft wurde.
Ich wurde hineingedrängt und stand dort mit meinem kleinen Dolch.
Mir gegenüber:
Der Champion des Khorne.
Das schien mir eine ausgesprochen faire Ausgangslage zu sein.
Immer wieder bot er mir die dämonische Axt an. Zunächst weigerte ich mich, wich ihm aus und versuchte irgendwie, mich mit meinem Dolch zu verteidigen.
Das funktionierte ungefähr so gut, wie man erwarten würde.
Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich mir dachte:
„Okay. Da führt kein Weg dran vorbei. Dann nehme ich diese Kack-Axt halt.“
Also griff ich zu.
Und Nataliya verlor vollkommen die Kontrolle.
Ich verfiel selbst in Raserei, brüllte wie eine Wilde und ging auf den Champion los. Ich schlug immer weiter auf ihn ein, selbst als er längst am Boden lag und bereits tot war.
Aber damit war Khorne offenbar noch nicht zufrieden.
Die Seele des gefallenen Champions flüsterte mir zu:
„Khorne will mehr Blut.“
Na gut.
Also zitierte ich den nächsten Kämpfer von außerhalb der Blutgrube zu mir hinein und machte mit ihm weiter.
Erst danach ließ ich die Axt fallen.
Und war vollkommen fertig.
Damit hätte diese kleine Eskalation eigentlich enden können.
Stattdessen stand plötzlich der Schrecken, die Lagergottheit des Chaos, vor mir und erklärte:
„Khorne ist stolz auf Euch.“
Wow.
Das war nun auch nicht unbedingt das Ergebnis, das ich erwartet hatte, als wir beschlossen hatten, uns vor der Endschlacht noch kurz das Chaoslager anzusehen. 😀
Wenn man allerdings schon einmal persönlich die Aufmerksamkeit einer Gottheit des Chaos hatte, konnte man die Gelegenheit auch nutzen.
Sir Lothar suchte nach einem Seelensplitter einer für ihn wichtigen Person – und ausgerechnet der Schrecken befand sich im Besitz dieses Splitters.
Also fragte ich ihn, was Sir Lothar tun müsste, um ihn zurückzubekommen.
Und tatsächlich bekam ich eine Antwort.
Sir Lothar müsse sich dem Schrecken in Demut nähern und ihm etwas zum Tausch anbieten, das für ihn selbst von großer Bedeutung war.
Das war zwar noch lange nicht der Seelensplitter selbst.
Aber es war zumindest mehr, als Sir Lothar bis dahin erreicht hatte.
Alles in allem ein erstaunlich produktiver (un)diplomatischer Besuch. 😀

Die Endschlacht
Gegen 15 Uhr begann schließlich die Endschlacht.
Zuvor gab es noch eine OT-Ansprache und einen letzten Ting Fjordgars, bevor wir gemeinsam aufs Schlachtfeld zogen.
Die Endschlacht bestand aus drei einzelnen Runden mit jeweils unterschiedlichen Zielen.
Runde 1 – Capture the One Flag
Für die erste Runde wurde die Dark-World-Flagge in der Mitte des Schlachtfeldes aufgestellt. Die verschiedenen Banner bezogen mit größerem Abstand rundherum ihre Ausgangspositionen.
Nach dem Startsignal galt nur:
Flagge holen und zum eigenen Ausgangspunkt bringen.
Natürlich durfte ich mitmachen, stand allerdings weiter hinten in unseren Reihen. Die Entscheidung fiel so schnell ganz vorne, dass ich überhaupt nicht mehr zum Kämpfen kam.
Ich glaube, das Banner der Hoffnung gewann diese Runde – sicher bin ich mir allerdings nicht mehr.
Runde 2 – Capture the Most Flags
Für die zweite Runde standen die verschiedenen Lagerbanner wieder am äußeren Rand des Schlachtfeldes, während die Mitte frei blieb.
Nun ging es darum, möglichst viele fremde Banner zu erobern und für die eigene Seite zu sichern.
Wir schafften es, die Reihen der Os Sanguine Ecclesia zu umgehen und deren Banner zu erobern.
Als es darum ging, dieses zurückzubringen, ermutigte mich der Graf, der als mein Leibwächter fungiert hatte, die Aufgabe selbst zu übernehmen.
Also trug ich das erbeutete Banner der Totlosen persönlich zurück zum Banner der Hoffnung.
Und ja – darauf war ich durchaus ein bisschen stolz. 😀
Ganz so problemlos verlief die Runde allerdings nicht.
Reingardt wurde von Olmek korrumpiert.
Er drehte sich daraufhin gegen die eigenen Reihen und stürmte in seiner Raserei zurück auf uns zu – nur ausgesprochen knapp an mir vorbei.
Es brauchte schließlich ungefähr fünf Leute, darunter drei Karkasen, um ihn überhaupt niederzuringen und wieder zurückzuholen.
Dieser kleine Vorfall sollte später noch Konsequenzen für ihn haben.
Runde 3 – Last Man Standing
Für die dritte und letzte Runde galt:
Last Man Standing.
Und Fjordgar hatte einen Plan.
Das Banner der Nacht hatte beim Wettstreit „Singen, Tanzen, Käse“ die Unterstützung der Zwerge für die Endschlacht gewonnen. Gleichzeitig gab es im Banner der Hoffnung einige Kämpfer, die keine Zwerge töten wollten.
Also würden wir dieses Problem für unsere Verbündeten lösen.
Fjordgar würde direkt zu Beginn die Zwerge angreifen.
Dafür nutzten wir unser Lagerartefakt, ein Horn, das die Kämpfer Fjordgars in eine Art Berserkermodus versetzen konnte.
Wir stellten uns in Keilformation auf.
Ganz vorne stand Sir Lothar, direkt dahinter die Karkasen und ich.
Und als das Startsignal ertönte, rannten wir los.
Nicht auf die Gegner links und rechts neben uns.
Sondern einmal schräg über das gesamte Schlachtfeld, direkt auf die Zwerge zu.
Und es funktionierte erstaunlich gut.
Wir schlugen mit unserem Keil in ihre Reihen ein und konnten einen großen Teil der Zwerge tatsächlich ausschalten. Für einen kurzen Moment konnte man ihnen beim Anblick der komplett entfesselten Fjordgarer sogar die Angst ansehen.
Natürlich war das Ganze von Anfang an mehr oder weniger als Selbstmordmission geplant.
Entsprechend sah es danach auch bei uns aus.
Von den Karkasen fiel meines Wissens fast jeder. Nur Jakub hielt sich noch erstaunlich lange, weil er im Verlauf des Angriffs etwas weiter nach hinten geraten war.
Aber unser eigentliches Ziel hatten wir erreicht.
Während dieser letzten Schlacht kam es außerdem zu einem beeindruckenden Zweikampf zwischen Vrakaz und der Mutter der Totlosen – von dem glücklicherweise auch noch ein großartiges Foto entstanden ist.

Karkasische Rechtsprechung trifft Fjordgar
Nach der Endschlacht und noch vor dem Abschlussritual gab es für die Karkasen allerdings erst einmal etwas aufzuarbeiten.
Es hatten sich im Verlauf des Tages einige Verfehlungen angesammelt.
Unter anderem waren am Morgen nicht genügend Soldaten rechtzeitig wach gewesen, als unser Banner gestohlen wurde. Und dann war da natürlich noch Reingardts Korrumpierung während der Endschlacht gewesen, bei der er sich gegen die eigenen Leute gewandt hatte.
Also wurden auf dem Hauptplatz Fjordgars die entsprechenden Strafen vollzogen.
Und natürlich zog das Publikum an.
Wenn wir schon plötzlich so viele Schaulustige hatten, sollten sie wenigstens verstehen, was sie dort sahen.
Also ließ ich die Soldaten erklären, nach welchen Grundsätzen wir überhaupt handelten.
Kolev übernahm das und erklärte sehr schön die karkasischen Tugenden, welche Verfehlungen vorlagen und warum diese entsprechend geahndet wurden.
Bei Reingardt lief die Bestrafung allerdings etwas weiter als beabsichtigt.
Er starb.
Das war nicht geplant.
Und damit hatten wir plötzlich ein Problem.
Eine Lektion über den Tod
In Fjordgar gibt es die Amgar, elementare göttliche Wesen, die eng mit dem Lager und seiner Natur verbunden sind. Und einige von ihnen hatten unsere Bestrafung beobachtet. Sie waren mit dem, was sie gesehen hatten, überhaupt nicht einverstanden.
Für den Wettstreit waren sie bereit, ihre Kraft einzusetzen, um die Gefallenen wieder ins Leben zurückzuholen.
Aber Reingardt war nicht im Wettstreit gestorben. Wir hatten ihn getötet.
Die erste Reaktion meiner Soldaten darauf war sinngemäß: So machen wir das eben bei uns. Das beeindruckte die Amgar eher wenig.
Wenn wir ihre Kraft dafür nutzen wollten, Menschen außerhalb des Wettstreits zu töten und anschließend einfach wieder zurückholen zu lassen, würden sie dieses Spiel nicht mitmachen.
Sie weigerten sich deshalb zunächst, Reingardt wiederzubeleben.
Also sprach ich mit ihnen.
Schließlich waren sie bereit, ihn zurückzuholen – allerdings unter einer Bedingung.
Ich sollte verstehen, was es sie kostete, einen Menschen wieder ins Leben zurückzubringen.
Der Erd-Amgar nahm dafür einen Teil meiner eigenen Energie.
Ich brach zusammen und war anschließend vollkommen kraftlos.
Erst die Feuer-Amgar gab mir einen Teil ihrer eigenen Energie zurück, damit ich überhaupt wieder aufstehen konnte.
Aber Reingardt lebte wieder.
Und Karkas hatte eine ziemlich eindrückliche Lektion darüber bekommen, dass der Tod in Fjordgar vielleicht etwas anders betrachtet wurde als in anderen Landen.
Das Abschlussritual
Danach versammelten sich alle Banner noch einmal zum großen Abschlussritual.
Wie schon zu Beginn erschienen die verschiedenen Lagergottheiten und schließlich wurde auch das Dark-World-Schwert an den Sieger des diesjährigen Wettstreits übergeben.
Und tatsächlich hatten wir unser Ziel erreicht:
Das Banner der Hoffnung hatte gewonnen.
Ulthor nahm das Schwert entgegen und reichte dabei auch Tekla die Hand – als Dank für Fjordgar und die Unterstützung, die wir dem Banner der Hoffnung in diesem Jahr gegeben hatten.
Damit schloss sich für mich ein schöner Kreis.
Zwei Jahre lang hatte Hoffnung Fjordgar auf dem Weg zum Sieg unterstützt. In diesem Jahr hatten wir uns bewusst dagegen entschieden, ein drittes Mal selbst zu fordern, und stattdessen ihnen unsere Unterstützung gegeben.
Nun stand Ulthor als Sieger vor uns und dankte Tekla dafür.
Und dann entstand auch noch einer dieser Momente, die man nicht hätte besser inszenieren können, wenn man es versucht hätte:
Der Himmel war trüb und das Wetter eher regnerisch gewesen. Doch genau in dem Moment, als Ulthor das Schwert in die Höhe hob, brach die Wolkendecke auf und die Sonne kam heraus.
Es sah aus, als wäre es geskriptet gewesen oder aus einem Film. Ein wunderschönes Bild zum Abschluss der Siegelkriege.
Ein letzter Abend
Nach dem Ritual ließen wir den Abend langsam ausklingen. Wir saßen noch lange in Fjordgar zusammen, redeten, hatten Spaß und ich traf unter anderem noch den Feuerfuchs, der auch als Untoter auf dieser Con unterwegs war.
Später wechselte ich noch einmal auf Arianna.
Irgendwann kam die Frage auf, wo man zu dieser Uhrzeit noch vernünftig würfeln konnte. Da fiel mir Bertas Taverne im Banner der Nacht ein. Als wir dort ankamen, war allerdings schon fast alles leer.
Fast.
Denn dort saßen noch Vrakaz, Berta, Immortala, eine Paladina der Totlosen, und Remy, einer der Diplomaten des Banners der Hoffnung.
Also setzten wir uns dazu und begannen gemeinsam karkasisch zu würfeln.
Das bedeutete natürlich auch: Nebenwetten.
Meine Soldaten kamen dabei irgendwann auf die ausgezeichnete Idee, Gefallen gegenüber Vrakaz zu setzen. Und verloren.
Damit schuldeten nun einige Karkasen der Gottheit des Todes persönlich Gefallen.
Ich selbst bekam davon allerdings nur noch begrenzt viel mit. Nach dieser Con-Woche schlug bei mir endgültig die Müdigkeit durch und ich wäre am Tisch mehrmals beinahe eingeschlafen.
Nach ein oder zwei Runden gab ich deshalb auf und ging gemeinsam mit Jakub zurück ins Lager.
Zwischen meinem Gespräch mit Vrakaz am Vortag und den nun verspielten Gefallen meiner Soldaten war unsere Verbindung zum Banner der Nacht damit jedenfalls nicht unbedingt kleiner geworden.
Sonntag – Abreise
Am Sonntag stand schließlich nur noch der Abbau an.
Und der verlief erfreulich unspektakulär.
Alles lief wie am Schnürchen, wir hatten keine größeren Probleme und kamen am Ende auch alle wieder gut nach Hause.
Ein etwas seltsames Gefühl blieb allerdings zurück.
Fjordgar war mit uns und unserem Einsatz während der Siegelkriege ausgesprochen glücklich gewesen.
Nur hatten wir intern inzwischen eigentlich bereits eine Entscheidung getroffen.
Wenn wir zurückkehrten, würden wir wohl nicht wieder in Fjordgar lagern.
Vrakaz hatte gerufen.
Und wir würden seinem Ruf folgen.

Fazit
Und damit gingen unsere ersten Siegelkriege zu Ende.
Wie immer möchte ich mich zuerst bei all den Menschen bedanken, die diese Con für uns zu dem gemacht haben, was sie war. Bei unseren Verbündeten wie Sir Lothar, unseren Freunden und natürlich beim gesamten Banner der Völker, das uns als Neulinge so herzlich aufgenommen hat.
Ein ganz besonderer Dank geht dabei an Ranek und Patui.
Wir drei waren als Stimme, Heerführer und Diplomatin ein ziemlich unterschiedliches Gespann – und vielleicht hat es gerade deshalb so gut funktioniert. Wir haben uns abgesprochen, einander zugehört, uns gegenseitig unterstützt und gemeinsam versucht, Fjordgar so gut wie möglich durch diesen Wettstreit zu führen.
Ich hätte mir für meinen ziemlich spontanen Einstieg in diese Aufgabe kaum zwei bessere Mitstreiter wünschen können.
Denn spontan war er definitiv.
Mich in diese Rolle hineinzustürzen, mir innerhalb kürzester Zeit all das notwendige Wissen zusammenzusammeln und anschließend tatsächlich Bündnisse auszuhandeln, Entscheidungen mitzutragen und Fjordgar nach außen zu vertreten, war schon ein kleines Abenteuer für sich.
Umso schöner war es für mich, am Ende das Gefühl zu haben:
Das hat tatsächlich funktioniert.
Auch auf unsere Soldaten bin ich wieder unglaublich stolz. Die Karkasen haben viel gekämpft, Wache gestanden, Aufträge übernommen, Leute ins Casino gelockt und waren ansonsten zuverlässig überall dort, wo man sie gerade brauchen konnte.
Besonders gefreut hat mich diesmal die Entwicklung von Bolek.
Der hat nämlich an ziemlich vielen Stellen bewiesen, dass er deutlich klüger ist, als er manchmal aussieht. 😀 Er hörte unglaublich aufmerksam zu, merkte sich Dinge, die ich längst wieder vergessen hatte, und kam immer wieder mit Informationen um die Ecke, die sonst niemand von uns mitbekommen hatte.
Und dann waren da natürlich all die kleinen und großen Momente dazwischen:
Zwerge, die uns wegen unseres Wappens plötzlich zur Hilfe eilten. Singen, Tanzen und Käse. Ein Gott des Todes, der mich zu einem halbstündigen Gespräch einlud. Khorne, der stolz auf mich war. Ein Oger, der aus der Verbesserung einer Axt wunderschönes Spiel machte. Eine Lektion der Amgar über den Tod.
Und natürlich mein allererster Tod als Baronin – ausgerechnet beim Todesbingo. Nach all den Jahren hat es also nicht eine große Schlacht, ein mächtiger Gegner oder irgendein dramatisches Ritual geschafft, Nataliya umzubringen. Es war eine Bingokugel.
Die Siegelkriege waren der erste Besuch von Karkas auf der Dark World, aber ganz sicher nicht der letzte.
Fjordgar hat uns großartig aufgenommen und gerade deshalb fühlt es sich beinahe ein bisschen gemein an, dass unsere Reise im nächsten Jahr an einen anderen Ort führen wird.
Doch Vrakaz hat gerufen, einige unserer Soldaten schulden ihm inzwischen ohnehin Gefallen und nach allem, was auf dieser Con geschehen ist, steht unser Entschluss fest:
Im nächsten Jahr werden die Banner von Karkas im Banner der Nacht wehen.
Wir freuen uns auf jeden Fall schon riesig darauf, im nächsten Jahr zurückzukehren – mit ganz neuen Geschichten, die darauf warten, erlebt zu werden.

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